In der kleinen Stadt Altenburg, wo der Duft von frisch gebackenem Brot durch die Straßen zieht und die alten Fachwerkhäuser Geschichten aus vergangenen Zeiten erzählen, besinnt sich eine Gruppe von Menschen auf das, was Fußball wirklich bedeutet: Gemeinschaft, Akzeptanz und das Zusammensein. Hier, in der B-Liga, wo der Ball oft nicht ganz rund ist und die Tore manchmal in den Himmel statt ins Netz gehen, findet eine ganz besondere Fußballgeschichte statt. Diese Geschichte handelt von Übergewicht, von Menschen, die oft am Rand der Gesellschaft stehen, und von einer Liga, die dem Wort „Willkommen“ eine neue Bedeutung gibt.
Ein Platz für alle – Die Liga der Overgoals
Die Overgoals, wie sich die Liga selbst nennt, sind ein Ort, an dem nichts zählt – außer der Leidenschaft für das Spiel. Hier kommen Männer und Frauen jeden Alters zusammen, um ihrer Freude am Fußball Ausdruck zu verleihen. Die Regel ist einfach: Es spielt jeder, unabhängig von Gewicht und Fitnesslevel. Das bedeutet, dass hier nicht nur ehemalige Profis auflaufen, sondern auch Menschen, die sich erst seit Kurzem mit dem runden Leder beschäftigt haben. Jeder Schuss, jeder Pass, jede tackle wird bejubelt – nicht für die technische Finesse, sondern für den Mut, auf den Platz zu treten.
In den Gesichtern der Spieler spiegelt sich eine Mischung aus Anspannung und Freude wider. „Es gibt keinen Druck, hier zu gewinnen“, sagt Tom, ein 34-jähriger Spieler mit einem schelmischen Grinsen. „Es geht darum, Teil einer Gemeinschaft zu sein, die uns akzeptiert, so wie wir sind.“ Diese Akzeptanz ist nicht nur im Fußballfeld spürbar, sie durchdringt das gesamte Leben der Beteiligten.
Der Weg zum Selbstbewusstsein
Viele der Spieler haben eine lange Reise hinter sich, geprägt von Anfeindungen und einem ständigen Kampf mit ihrem Körperbild. Sie erzählen von der Zeit, in der sie sich nicht mehr trauten, das Schwimmbad zu betreten oder am Familienausflug ins Grüne teilzunehmen. In der Overgoals-Liga erlebt jeder seine eigene Rehabilitation. „Hier finde ich den Mut, ich selbst zu sein“, sagt Anna, die in ihrer Freizeit gerne malt und sich durch das Fußballspielen in ihrer Haut wohler fühlt. „Ich habe gelernt, meinen Körper zu akzeptieren, und es tut so gut, mit Gleichgesinnten zu spielen.“
Einmal pro Woche treffen sich die Spieler zu einem Training, das mehr als nur Ballübungen bietet. Hier wird gelacht, geweint und sich gegenseitig ermutigt. Die Trainer, oft selbst ehemalige Mitglieder der Liga, wissen, dass Fußball mehr ist als nur ein Sport – es ist eine Therapie. „Wir arbeiten an den Stärken jedes Einzelnen, nicht an den Schwächen. Das erzeugt ein Gefühl der Zugehörigkeit“, erklärt Klaus, der Trainer, der selbst einmal in der Liga spielte und heute sein Wissen weitergibt.
Freundschaften und Unterstützungsnetzwerke
Die Liga ist nicht nur ein Sportverein, sondern auch ein soziales Netzwerk. „Wir sind eine Familie“, sagt Lisa, eine leidenschaftliche Spielerin, die bei jedem Training ihre zwei Kinder mitbringt. „Hier gibt es keinen Klatsch und keine Vorurteile. Wir unterstützen uns gegenseitig, sei es auf dem Platz oder im Alltag.“ Diese familiäre Atmosphäre hat es den Spielern ermöglicht, über den Fußball hinaus Freundschaften zu schließen. Gemeinsame Unternehmungen, wie das Grillen nach dem Training oder Ausflüge zu regionalen Spielen, stärken das Band, das die Mannschaft zusammenschweißt.
Die Zusammenkünfte sind nicht nur für die Spieler wichtig, sondern auch für deren Angehörige. „Ich habe durch die Liga viele neue Freunde gefunden, die die gleichen Herausforderungen meistern wie ich“, berichtet Peter, ein Vater, der seine Tochter regelmäßig zu den Spielen bringt. „Es ist beruhigend zu wissen, dass wir nicht allein sind.“ In diesem geschützten Raum können auch die Angehörigen den Druck und die Vorurteile der Gesellschaft hinter sich lassen.
Ein neues Bild vom Fußball
In einer Zeit, in der Fitness und Ästhetik oft im Vordergrund stehen, bietet die Overgoals-Liga eine erfrischende Abkehr von diesen Konventionen. Hier wird der Fußball nicht nur als sportliche Betätigung wahrgenommen, sondern als ein Ausdruck von Lebensfreude und Gemeinschaft. Die Spieler haben erkannt, dass der Wert des Spiels nicht daran gemessen wird, wie fit man ist oder wie viele Tore man schießt. Es geht um die Erfahrungen, die man teilt, die Freundschaften, die entstehen, und das gegenseitige Verständnis, das entsteht, wenn man zusammen kämpft.
Die Liga hat bereits viele Nachahmer gefunden, und das Konzept wird in anderen Städten und Regionen aufgegriffen. „Wir möchten, dass diese Bewegung weiter wächst“, sagt Klaus. „Es gibt so viele Menschen, die sich ausgeschlossen fühlen. Wenn wir ihnen zeigen können, dass Fußball für alle da ist, dann haben wir unser Ziel erreicht.“
Fazit: Eine Einladung zum Mitmachen
In Altenburg wird der Fußball neu definiert. Hier wird jeder Spieler zum Helden, unabhängig von Körpergewicht oder Fitnesslevel. Die Overgoals-Liga ist ein lebendiges Beispiel dafür, dass Sport mehr ist als nur Leistung – es ist eine Gemeinschaft, die jeden willkommen heißt. Diese gemeinsame Erfahrung geht weit über den Platz hinaus und bietet einen Raum, in dem jeder sein kann, wer er ist, ohne sich verstecken oder verurteilen lassen zu müssen. In einer Welt, in der wir oft von gesellschaftlichen Normen eingeengt werden, ist der Fußball in Altenburg ein Ort der Freiheit, der Akzeptanz und des Miteinanders.
Die Einladung steht – für alle, die den Mut finden, sich auf den Platz zu wagen und Teil dieser besonderen Gemeinschaft zu werden. Denn hier gilt: Jedes Pfund und jeder Spieler sind willkommen, um die wahre Essenz des Fußballs zu leben.




